Der 17-jährige Schlagzeuger Marek Horsak hat bereits Talentpreise gewonnen: 2024 erhielt er den Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für junge Künstler der Stadt Fürth, 2025 den Talentpreis für junge Nachwuchskünstler des Theatervereins Fürth e.V.
Wir sprachen mit ihm über seine Liebe zur Musik und seine Pläne.
Magst du dich kurz vorstellen?
Also, ich spiele Schlagzeug und Klavier, mache mein ganzes Leben schon Musik.
Gerade mache ich mein Abitur. Mein Vater ist Trompetenlehrer und hat Jazz studiert, so bin ich da quasi reingeboren. Und ich liebe die Musik!
Wie kam es, dass du dich für „dein“ Instrument Schlagzeug entschieden hast?
Ich habe immer noch auch Klavierunterricht – aber es war immer klar, dass ich trommeln will! In meiner Kindheit bekam ich ein günstiges Schlagzeug. Dann gab es da das Unterrichtsangebot der Musikschule, wo man nebenbei auch Klavier lernen konnte. Also lernte ich beides. Leider stand das Schlagzeug zuhause im Keller, drum hab ich vergessen zu üben. In der 5. Klasse, bei einem Konzert mit „Vollgas Connected“ – ein inklusives Ensemble –der Musikschule Fürth, wo ich Cajon spielte – musizierten wir zusammen mit Weltmusikern aus Bochum. Einer deren Percussionisten schenkte mir damals spontan sein Becken, das er dabeihatte. Unter einer Bedingung: dass ich wieder anfangen würde, Schlagzeug zu spielen!
Im gleichen Jahr startete auch meine Musikschulcombo „Die Planeten“, jetzt eine HipHop Brass Band. Zu dem Musikstipendium, das wir bekamen (2019), gab’s einen 50-Euro- Gutschein vom Musikhaus Klier – und die sind dann in ein neues Schlagzeug gewandert.
Was sind deine aktuellen Bands und Projekte?
Aktuell spiele ich mit den SRS Jazzmen (New Orleans/Traditional), Vollgas Connected und
Die Planeten. Letzteres ist mein Herzensprojekt, weil es meine erste Band war, und in der Band rappe ich auch. Von den Gründungsmitgliedern sind noch der Bassist und ich dabei.
Mittlerweile haben wir eine Bläser-Section mit 3 Saxophonen, Posaune, Trompete und einen zweiten Drummer, wenn ich rappe; wir covern unter anderem Stücke von MoopMama oder Lucky Chops.
Letztes Wochenende machten wir einen 2-tägigen Workshop mit dem Solo-Posaunisten der
HR-Big-Band Felix Fromm. Der schreibt Arrangements u.a. für die Blassportgruppe und er passt gut zu uns „Planeten“. Am 18. Juli spielen wir ein Open-Air-Konzert in der Musikschule Fürth mit Felix als Gast.
Einige Jahre war ich beim Nachwuchs des Landes-Jugendjazzorchesters Bayern und habe da (fast) alle Arbeitsphasen mitgemacht, habe coole Leute getroffen und neue Kontakte aus ganz Deutschland gewonnen. Von Harald Rüschenbaum, dem damaligen Leiter der Landjugend, habe ich extrem viel gelernt.
Jetzt will ich erstmal viele Sessions spielen, momentan viel mit Nürnberger Musikstudenten – und nun war ich im März Session Opener bei FÜ-JAZZ. Das ist gut, um Leute kennenzulernen, und ich kann mir extrem viel abschauen. Mit der Zeit bekomme ich Routine und Sicherheit und bin allmählich zufriedener mit dem, was ich auf der Bühne mache und wie ich auftrete. Wobei ich auch auf die Konzertsituation stehe: Die Vorbereitung, aufbauen, mit Freunden abhängen, und dann: Showtime! Ja, ich würde sagen: ich bin eine Rampensau! ;-)
Welchen Musikstil bevorzugst du? Und wer sind deine Vorbilder?
Es gibt nicht die EINE Stilrichtung, wohin es mich zieht. Es gibt so viel Schönes!
Mein Ziel ist, möglichst viele verschiedene Combos zu haben. Eine Inspiration ist Art Blakey. Bei der FÜ-JAZZ-Session haben wir auch Stücke von ihm gespielt.
Ich spiele momentan viel Traditional-/New Orleans-Jazz, da ist Big Sid Catlett eine Inspiration für mich: er war der Lieblings-Schlagzeuger von Louis Armstrong. Aber auch aktuelle Drummer wie Benny Greb und viele weitere.
Mein Vater hat mir viel Musik gezeigt, die mich geprägt hat. Das macht mich vielseitig. Ihm gefällt generell, was ich mache, bloß teilt er meinen Musikgeschmack manchmal nicht ganz, auch wenn wir beim Meisten schon einig sind. Ich spiele gern mit ihm.
Unabhängig davon, was gerade angesagt ist, interessiere ich mich für alte und moderne Jazz-Stile. Ich denke, wenn man neue Musik machen will, muss man sich auch mit den traditionellen Stilen auseinandergesetzt haben.
Ich war zum Beispiel beim „Kerwa ausblasen“ bei der Fürther Kirchweih: Da kommt dann Volker Heißmann dazu, einmal war Jürgen Neudert dabei, und wir spielen Traditional und
Old time/Hot Jazz. Ich finde das toll, wenn Musiker auch diesen Jazz weiter praktizieren und er erhalten bleibt, auch wenn das momentan nicht so angesagt ist.
Was macht einen guten Drummer aus?
Er muss zusammen mit seinen Mitmusikern spielen, nicht für sich selbst, auf die Mitmusiker eingehen und musikalisch spielen. Aber das variiert je nachdem, was man machen möchte.
Manche Drummer sind scheinbar technisch perfekt, aber es nimmt mich trotzdem nicht mit. Die Musik zu verstehen, virtuoses Spiel, wenn angebracht, und das musikalisch einsetzen zu können. Unterm Strich ist die Emotion wichtig.
Vinnie Colaiuta (Zappa, Sting, Megadeth) ist da für mich der Beste, den es momentan gibt.
Was sind deine Ziele?
Ich möchte Jazz-Schlagzeug studieren und Berufsmusiker werden. Dazu werde ich mich nach dem Abi an verschiedenen Hochschulen bewerben, auch im Ausland. Wien zum Beispiel hat eine gute Jazzszene.
Wo wir im Gespräch schon festgestellt haben, dass wir beide auf Trombone Shorty und Snarky Puppy stehen: Hast du noch einen Musiktipp für mich?
Anfang der 2000er war ja so eine Neo-Swing-Ära: „The Atomic Fireballs“ ist meine Lieblingsband aus der Zeit. Das Moses Yofee Trio (er ist unter anderem Pianist und musikalischer Leiter bei Peter Fox): junge Musiker. Der Drummer Noah Fürbringer ist momentan einer der besten Schlagzeuger für mich. Und hör mal rein in „Ezra Collective“ (British Jazzfusion)!
Das Gespräch führte Brigitte Meidel.
Foto: Marek bei der FÜ-JAZZ Session am 05.03.2026