FÜ-JA ZZ Jazz Club Fürth e.V.
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Interview mit Victoria Pohl

04.04.2026

Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, wurde in Victoria Pohl schon früh der Wunsch geweckt, Musikerin zu werden. Sie studierte Klassik- und Jazz-Klavier. Bei der Liste ihrer Auszeichnungen und Referenzen stutze ich kurz und zweifle an ihrer Altersangabe … nein, das schafft man nur, wenn man von Kindesbeinen an Vollblut-KünstlerIn ist!
 
Im Vorfeld ihres Auftritts bei FÜ-JAZZ am 16.04.2026 sprach sie mit uns über ihre Tätigkeiten als Jazz-Pianistin, „Musik-Botschafterin” für Kinder, Radiomoderatorin und Schauspielerin… und zeigt damit, dass sie sicher zu den vielseitigsten Jazz-KünstlerInnen der hiesigen Szene gehört. 
 

 

Danke, liebe Victoria, dass du dir Zeit für unser Interview genommen hast, obwohl du grade viel unterwegs bist.

Ja, es gibt Einiges zu tun bei mir, drum bin ich ganz froh über dieses ruhige Osterwochenende.

 

Ich habe mir heute dein Album „Mr. Hähnry“ angehört. Ich liebe die Stücke Morosité und Zartbitter!

Ich bin frankophil, und das französische Wort Morosité bedeutet so viel wie Trübsinn oder Schwermut und passt gut zur Stimmung des Stücks. 

 

Die Atmosphäre und der Flow haben mich sehr berührt und erinnern mich an Musiker wie Wolfgang Haffner, Avishai Cohen oder Tord Gustavsen, die ich sehr schätze. 

Cool, danke. Die genannten Musiker mag ich tatsächlich alle. Die Musik von Wolfgang Haffner habe ich viel gehört, und was er komponiert, gefällt mir sehr. Ich moderiere ja einmal monatlich die Radiosendung „Jazztime Nürnberg” bei Radio F, da habe ich Wolfgang interviewt und eine Folge über ihn gemacht.

 

Gibt es für dich aus deinen verschiedenen aktuellen Bands ein Lieblingsprojekt?

Ich mache alle Projekte gerne. Jedes hat seinen Schwerpunkt…
Im Trio spielen wir ausschließlich meine Kompositionen, da mag ich den Sound und die Kombination der Instrumente im klassischen Klavier-Trio. Das Duo Pohl & Pohl hat ein buntes Programm mit Klassik, Jazz und Pop. Diese Vielfalt und die Zusammenarbeit mit meiner Mutter sind besonders. Meine frankophile Ader hört man im Solo-Programm frankopohl: eigene Kompositionen, klassische Stücke, oder auch Klassik verjazzt, immer mit Bezug zu Frankreich.
 
Die Besetzung bei den Jessicats ist interessant: mit Piano, Saxofon und Kontrabass – aber ohne Schlagzeug! Zu schauen, wie man das fehlende rhythmische Fundament ausgleichen kann, macht es sehr spannend. Die Band ist 2021 an der Hochschule Würzburg entstanden. Es ist ein reines Frauenprojekt, das ist schön und anders als eine gemischte Band. Der Umgang miteinander ist entspannt, und wir schätzen aneinander: alle sind Bandleader, jede trägt ihren Teil dazu bei, und dadurch entsteht Neues.

 

Woher kommt deine Liebe zu Frankreich?

Ich liebe die Sprache, war als Kind schon viel in Frankreich, vom Schüleraustausch bis zum Familienurlaub. Oft in Paris, Nizza, später eine Rundreise, meine „Tour de France”. Ich habe mir viele Teile von Frankreich angesehen: Normandie, Atlantikküste, Mittelmeer, Straßburg… die Bretagne fehlt mir noch. Und musikalisch haben es mir die klassischen Impressionisten schon angetan! 

 

Neben deiner Musik bist du ja auch in anderen kreativen Bereichen aktiv… 
Ja, ich mache viele Kinderprojekte, bin aktiv beim NUEJAZZ for Kids Ensemble. Wir spielen regelmäßig Konzerte auf AEG, aber auch in Kindergärten und Schulen und bringen die Musik dorthin, wo Kinder sonst wenig mit Musik in Kontakt kommen – schon gar nicht mit Jazz. Das funktioniert gut, und es kamen weitere (Theater-) Projekte dazu, wie das „Jazz Puppets Universe” von Ferdinand Roscher oder ein Familienprogramm mit dem Artisten Marc Vogel.
 
Im vergangenen Jahr hatte ich ein längeres Theaterprojekt mit Musik und Schauspiel am Freilandtheater Bad Windsheim. Bei der diesjährigen Sommerproduktion „Flüchtige Bekannte” werde ich wieder dabei sein, diesmal mit einem größeren schauspielerischen Anteil. Premiere ist am 25.06., und dann folgen 33 Vorstellungen bis 15.08.2026. Die freundschaftlich-familiäre Atmosphäre im Ensemble genieße ich sehr.
 
Was sind deine nächsten Ziele? 
Zu meinem Solo-Programm möchte ich ein Album machen. Und ich habe ein neues Programm fürs Trio im Kopf… 

 

Wie lange dauert es, bis ein Album fertig ist? 
„Mr. Hähnry” zum Beispiel ist gegen Ende meiner Master-Studienzeit entstanden. Ich denke, die Stücke haben sich in ein- bis eineinhalb Jahren angesammelt. Ich wollte es als Abschlussprojekt des Studiums fertigbekommen und so war ein gewisser Druck da. Das tut der Sache ja auch gut. Es ist leichter, auf ein Ziel hin zu arbeiten, wenn man den Fokus hat, als so ins Blaue reinzuarbeiten.
 
Welche Interpreten sind auf deiner Playlist? 
Ich höre viel Oscar Peterson, der macht einfach gute Laune, höre viel 50er- und 60er-Jahre-Jazz und gehe auch gerne in Konzerte. Mein aktueller Lieblingspianist ist Leszek Mozdzer. Ich finde ihn phantastisch, weil er einen klassischen Touch hat – er hat auch viel Chopin gespielt – aber dann hat er auch diese moderne Seite…

 

Und wenn du mal keine Musik machst? 
Ich habe vor zwei Jahren das Laufen für mich entdeckt. Das hat einen hohen Stellenwert eingenommen und eigentlich auch mit meiner Musik zu tun. Ich habe erstmals wieder ein Hobby. Ich lief bald größere Distanzen, letztes Jahr meinen ersten Marathon und vor einigen Wochen den ersten Ultra-Marathon mit 63 Kilometern, mittlerweile bin ich über 25 Wettkämpfe gelaufen. Ich habe viel Freude daran gefunden zu laufen und in der Natur zu sein. Der Sport ist ein guter Ausgleich zum Klavierspielen und zur Welt der Musik. Dafür bin ich dankbar. Der Sport hat mich auch gelehrt, „niemals nie zu sagen”, eine Sache auszuprobieren und dranzubleiben! Übrigens bin ich bei einem Marathon, dem Nürnberg-Fürth-Lauf auch schon in Fürth eingelaufen.
 
Dann freuen wir uns darauf, dass am 16.04. wieder Fürth dein Ziel sein wird: nämlich bei Fü-JAZZ! 
Was spielt Ihr?
Wir werden das „Mr. Hähnry” Trio-Programm spielen, aber auch neue Songs. Das Besondere am Auftritt bei FÜ-JAZZ wird sein, dass ich mein Trio-Programm diesmal mit Christoph Huber und Marco Kühnl spiele, die beiden sind ein sehr eingespieltes Team. Und ihr habt ja ein tolles Klavier im Babylon-Jazzkeller! Ich freu mich drauf.

 

Das Gespräch führte Brigitte Meidel.
Foto: Ludwig Olah

 

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