FÜ-JA ZZ Jazz Club Fürth e.V.
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Interview mit Estelle Dupont (Kalle Quartett)

12.07.2026

Am 16.07.2026 gastiert in unserem Jazzkeller das „Kalle Quartett“. Im Vorfeld haben wir mit deren Saxophonistin Estelle Dupont gesprochen.  

 

Wie habt ihr euch beim „Kalle Quartett“ gefunden?

 

Unser Quartett gründete sich 2024 zu Beginn unseres Studiums. Wir spielten zusammen für den Schlagzeugklassen-Abend, und das hat uns soviel Spaß gemacht, dass wir es weitergeführt haben. Mittlerweile durften wir neben Nürnberg auch in Jazzclubs in Dinkelsbühl und Mannheim spielen. 

 

Was wird euer Programm für den Abend bei FÜ-Jazz sein? 

 

Wir präsentieren unsere Lieblings-Jazzstandards aus den Bereichen Traditional und Modern Jazz – in unserer eigenen Version. Da sind Balladen dabei, flottere Nummern und auch sehr sentimentale Stücke, wie z.B. „Beatrice“… Es wird eine gute Mischung! Wir bringen keine ausgesuchten Arrangements mit, sondern da passiert dann sehr viel spontan auf der Bühne. 

 

„Beatrice“ von Sam Rivers

 

Beatrice war eines der ersten Stücke, die wir in der Besetzung gespielt haben, und das Stück begleitet uns so ein bisschen… An Sam Rivers Musik mag ich, dass er harmonisch sehr schöne Strukturen in seinen Stücken hat. Wenn ich Beatrice höre, glaube ich, er hat seine Melodie eher von den Harmonien aus gefunden als dass die Melodie da war, die er dann harmonisiert hat. 

 

Ich bin gespannt, das Stück zu hören. Welche Saxophone spielst du?

 

Beim Kalle Quartett spiele ich ausschließlich Tenorsax, in anderen Formationen auch Bariton. Aber eigentlich ist das Tenorsaxophon mein Hauptinstrument. Wahrscheinlich findet jede/r Saxophonist/In ihren/seinen „Liebling“ – bei mir ist es Tenor! Ich mag den tiefen Sound und die Flexibilität des Instruments. 

 

Hast du aktuell weitere Bands und Projekte?

 

Neben dem Kalle Quartett bin ich als Tenoristin öfter bei der Thilo Wolf Big Band dabei, z.B. diesen Monat beim Fürther Sommernachtsball, bin im Bundes-Jazz-Orchester und beim Groove Legend Orchestra in Nürnberg, und mit dem Bariton wahrscheinlich ab nächstem Semester wieder in der Hochschul Big Band. Mit unserem Pianisten Lenni Hülsmann habe ich ein Duo-Projekt, und eine Funk-Band mit meinem Bruder in Mannheim… 

 

Ein Lob für die Regionale Jazz-Szene

 

Ich komme ursprünglich aus Hockenheim und bin fürs Studium nach Nürnberg gekommen, weil ich bei Klaus Graf studieren wollte. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung, auch weil Nürnberg so besonders ist und eine sehr schöne, aktive Kulturszene hat! Es gibt viele Auftritts-möglichkeiten, die Szene ist sehr familiär, und ich habe hier gefühlt alle Möglichkeiten. Mit dem NUE-Jazz Festival, das (mindestens) deutschlandweit bekannt ist, kommen auch unglaublich gute internationale Acts hierher. Da braucht sich die Region also nicht „verstecken“! 

 

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

 

Ein großes Vorbild für mich ist Joshua Redman. Ich habe ihn im Mai gehört: eines meiner schönsten Konzerte! Eines seiner Konzerte hat mich sehr geprägt: er trat beim Newport Festival 1993 auf (u. a. mit Brad Mehldau und Christian McBride), damals als junger Musiker mit Anfang Zwanzig. Und es ist schön, die Entwicklung zu sehen, wie er heute auf der Bühne steht, seine Musik feiert und niemandem mehr was beweisen muss!

 

Es gibt ja auch Leistungsdruck und Konkurrenz unter Kollegen in der Szene. Da ist es cool zu sehen, wie ein Musiker, der das alles mitgemacht hat, selbstbewusst und mit sich im Reinen ist auf der Bühne steht mit der Message: Ich stehe zu meiner Musik und dem was ich mache! Beispielsweise hat Redman „You’ve got a Friend in me“ gecovert, oder „Stop this Train” von John Mayer. Also er scheut sich nicht, auch Pop-Stücke zu spielen, die er mag. 

 

Für seine eigene Musik einstehen!

 

Ich spiele auch gerne Funk-Musik. Dafür bekam ich schon Kommentare wie: „Kannst du „nur“ Funk spielen? Das ist doch kein „richtiger“ Jazz.“ Da kostet es Überwindung, sich hinzustellen und zu sagen: ich spiele super gerne Traditional, oder Big Band… aber Funk ist genauso Teil von dem, was ich musikalisch liebe! Musiker wie Redman sind Vorbild, den eigenen Weg zu gehen.

 

Dann freuen wir uns schon sehr auf euer Konzert am 16. Juli!

 

Ich war ja mit dem Saxophon-Quintett schon da. Wir freuen uns auch, der Babylon-Keller ist einfach eine besondere Location!

 

Das Gespräch führte Brigitte Meidel.  

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