Wir berichten in loser Folge über Jazz-Musiker aus der Region.
Heute: der Akkordeonist Fred Munker
Wir würdigen das Akkordeon als „Instrument des Jahres 2026“ am 13.09.2026 mit einem Doppelkonzert. Mit dem Auftritt des Fred Munker Quartetts erleben wir nochmal einen Höhepunkt und Abschluss unserer diesjährigen Freiluft-Saison. Beim Orchestra Grandessa wird Max Link am Akkordeon zu hören sein.
Fred, wie kamst du zum Akkordeonspielen?
Als ich 11 Jahre alt war, fand unser Nachbar beim Entrümpeln ein Akkordeon, das er am Trödelmarkt verkaufen wollte. Damit ging ich zur Musiklehrerin, und so kam ich zum Akkordeon- und Klavier-Spielen und später auch zur Klarinette. Ich habe immer gern geübt, kann mich nicht erinnern, dass mein Vater mich als Kind je zum Üben ermahnen musste. Und so bin ich dabeigeblieben.
Was sind deine aktuellen Bands und Projekte?
Mit dem Ensemble Classic meets Jazz (mit Stephan Greisinger am Saxophon) verjazzen wir klassische Stücke, und die bildende Künstlerin Uschi Faltenbacher hat passende Bilder dazu gemalt. Für unser Programm zu Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ hat sie z. B. „Das alte Schloss“ oder „Der Marktplatz von Limoges“ neu interpretiert.
Im Duett mit meinem Studienkollegen Stefan Teschner, der erster Geiger im Staatstheater Nürnberg ist, besteht unser Programm vorwiegend aus Stücken des Akkordeonisten Richard Galliano. Akkordeon und Violine klingen sehr schön zusammen.
Daneben pflege ich weitere, abwechslungsreiche Formationen, die mir Spaß machen: ein Programm im Duett mit Cello, Chansons mit einer Sängerin, ein Projekt mit einer Pianistin, wo ich Klarinette spiele… oder italienische Musik von Rossini und anspruchsvolle Canzoni im Ensemble mit einem Gitarristen.
Wie entsteht ein Programm mit solch unterschiedlichen Besetzungen?
Das alles sind Projekte, die über Jahre gewachsen sind, zumal es für die Besetzungen größtenteils kein Notenmaterial gibt, und so arrangiere ich fast alle Stücke selbst. Zunächst mache ich mir Gedanken, wie die Instrumente miteinander klingen könnten, setze mich mit den Noten hin und arbeite das dann aus. In den Osterferien hatte ich z. B. die Partitur von Ravels Bolero dabei und machte mir einen Fahrplan, wie man es für ein größeres Ensemble umarbeiten kann. Manche Entwürfe liegen aber auch eine Zeit lang in der Schublade und sind erst nach einer Zeit „reif“ für eine Bearbeitung, die mir ideal erscheint und meinen Ansprüchen genügt. Und es dauert auch, sich aufeinander einzustimmen, wenn Musiker mit unterschiedlichem Hintergrund wie „Jazzer“ und „Klassiker“ aufeinandertreffen, und es ist immer wieder spannend die Genregrenzen zu überschreiten.
Die Seele des Akkordeons
Ich unterrichte Akkordeon und Klarinette. Für das Akkordeon entscheiden sich nur noch wenige Kinder. Es ist anspruchsvoll zu lernen: in der linken Hand Knöpfe und in rechten Hand Tasten, die ich beim Spielen blind bedienen muss. Und zusätzlich die Handhabung der Luft im Balg… Im Vergleich dazu ist Klavier echt einfach zu lernen.
Das Entscheidende beim Spielen ist jedoch der Umgang mit der Luft, dem Balg, der dazwischen ist: das ist die Seele des Instruments! Das ist es, was das Akkordeon ausmacht! Das zu beherrschen, erfordert Durchhaltevermögen, aber ich erlebe auch immer wieder Überraschungen, dass Schüler gerne und motiviert üben und bei der Sache bleiben.
Alles in allem ist Akkordeon sicher ein Nischeninstrument. Aktuell gibt es wenig junge Vorbilder, die das Instrument bei der Jugend populär machen könnten, außer natürlich Musiker, die das Akkordeon in der volkstümlichen Art einsetzen, was ja auch gut ist! Gabalier fällt mir ein, er hat einen Akkordeonisten in seiner Band dabei, oder Quadro Nuevo - aber ob Jugendliche das als Vorbilder sehen, wage ich zu bezweifeln.
Bei der Klarinette ist es anders: da hatte ich schon Schüler, die mit dem Wunsch kamen: „Ich will so spielen wie Giora Feidman!“
Welches Programm werden wir am 13.09. im Stadtpark hören?
Unser Konzert wird ein abwechslungsreiches Programm haben, von Gypsy-Swing über südosteuropäische und Klezmer-Musik, bis hin zu Tango und New Musette, mit einem Schwerpunkt bei der Musik des großen französischen Akkordeonisten Richard Galliano.
Das Foto, auf dem ich auf einem Koffer sitze, stammt übrigens aus dem Projekt „Viaggio“ mit meiner Frau: Ich wollte einmal im Leben an dem Bahnhof sitzen, wo Don Camillo und Peppone gedreht wurde, in Brescello.
Das Gespräch führte Brigitte Meidel.
E-Mail: fred.munker@arcor.de